Unter den klassischen Casinospielen nimmt Poker eine Sonderstellung ein. Vor etwas weniger als zehn Jahren trat die Pokervariante Texas Hold'em
ihren Siegeszug um die Welt an. Immer wieder betonen Profis und
Amateure, dass gerade bei Hold'em nicht Glück, sondern Können über Sieg
oder Niederlage entscheidet. Pokerlegenden wie Doyle Brunson oder
Daniel Negreanu machten ihre Strategien in erfolgreichen Büchern einer
wachsenden Fangemeinde bekannt.
Die Glücksritter locken die
Faszination eines Spiels, das durch strategische Winkelzüge zum eigenen
Vorteil beeinflusst werden kann - und die zum Teil gigantischen Summen,
die bei Pokerturnieren wie WSOP, WPT oder EPT zu gewinnen sind. Diese
verstärken ihrerseits wieder die Wahrnehmung von Poker als
Strategiespiel. Schließlich umweht sie, auch dank millionenschwerer
Sponsorings und entsprechende Präsentation im Fernsehen, inzwischen der
Nimbus prestigeträchtiger Sportveranstaltungen. Seiten wie Pokerroomsonline
bieten einen exzellenten Überblick über Regeln, Strategien und
Turniere, im Fernsehen werden Pokerturniere kommentiert und analysiert
wie Fußballspiele.
Ist Poker also gar kein Glücksspiel im
eigentlichen Sinne wie Roulette oder Black Jack, sondern - wie Schach
oder Backgammon - ein Taktiksport für schlaue Köpfe? Die Pokerregeln
und die zahlreichen Strategieansätze sprechen eigentlich dafür. Doch an
dieser Frage scheiden sich die Geister, und das mit handfesten
Konsequenzen. Da Glücksspiele in den meisten Ländern umfassenden
rechtlichen Restriktionen unterworfen sind, kämpfen Pokerfreunde seit
langem für die Anerkennung ihres Spiels als Sportart oder wenigstens
als Strategiespiel. Die Folgen wären gravierend: Pokerevents dürften
von Vereinen veranstaltet werden, Jugendliche hätten legal Zugang zu
Pokerspielen, zusätzlich könnten öffentliche Mittel etwa für
Nachwuchs- und Veranstaltungsförderung abgerufen werden.
Dennoch
beantworten Spielexperten die Frage, ob Poker nun ein Glücksspiel ist
oder nicht, mit einem entschiedenen "Jein". Ein Glücksspiel, so ihre
Einschätzung, ist Poker auf jeden Fall immer dann, wenn Spieler die
Welt des strategischen Denkens verlassen und hemmungslos "zocken" -
Poker bietet also zumindest das Potenzial, ein Glücksspiel zu sein, und
wird mitunter auch so betrieben.
Doch selbst die
ausgebufftesten Profis, die von Mathematik, Analyse und Statistik bis
hin zu Psychologie unterschiedlichste wissenschaftliche Ansätze nutzen
und in ihre Pokerstrategie einfließen lassen, kommen nicht gänzlich
ohne den "G-Faktor" aus - denn letztlich kann bei allem Wissen um
Strategie und Psychologie niemand beeinflussen, welche Karten das
Schicksal ihm in die Hand legt.
Das ganz ohne Glück nichts läuft,
zeigt sich unter anderem auch daran, dass mitunter Newcomer
ausgewiesene Profis schlagen. Eine Tatsache, die "Poker Brat" Phil
Hellmuth - ein sehr erfolgreicher Profi, der allerdings für sein
rüpelhaftes Benehmen berüchtigt ist - gerne zu seinen berüchtigten
Ausrastern veranlasst. Für die meisten Spieler liegt der Reiz jedoch
genau in dieserKombination aus Glück und Können, die immer wieder
spektakuläre Siege ermöglicht.
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Poker: Ein Trendspiel zwischen Strategie- und Glücksaspekt
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